Wenn die Reise zu Gott in die Kneipe führt von peedee (Veröffentlicht am 07.09.2021)
Wenn die Reise zu Gott in die Kneipe führt von peedee (Veröffentlicht am 07.09.2021)

Wenn die Reise zu Gott in die Kneipe führt von peedee (Veröffentlicht am 07.09.2021)

Titus Schlagowsky berichtet von den vielen Hochs und Tiefs in seinem sehr bewegten Leben, das in der DDR begann. Er ist Schreinermeister, Kneipenbesitzer, Ehemann und Vater, aber er war auch ein Häftling und macht aktuell eine Ausbildung zum Gemeindediakon – sehr viele Facetten. Nach dem Erfolg mit Nebenwirkungen folgte der Absturz. Als es im Knast nicht mehr tiefer gehen konnte, findet er zurück zu Gott. Diese Begegnung verändert alles. Die Geschichte wurde mit Unterstützung von Hauke Burgarth aufgeschrieben.

Erster Eindruck: Das Cover des Schutzumschlages gefällt mir gut (obwohl ich kein Fan von Schutzumschlägen bin); jemand hat darauf geachtet, dass die Farbe Lila sich auf dem Rücken und dem Einband wiederholt – sehr schönes Detail. Es gefällt mir sehr, dass es im Mittelteil Fotos gibt – das ist für mich bei Erfahrungsberichten immer ein grosses Plus.

Titus Schlagowsky erzählt u.a. von seiner Kindheit in einem gläubigen Umfeld, seinem ersten Rausch und seiner ersten (sehr abenteuerlichen) Reise nach Bulgarien. Auf jener Reise wurde ihm das Christsein vor allem in Rumänien bewusst, als eine bitterarme Familie ihn und seine Reisebegleiter beherbergte. Später lässt er sich zum Schreinermeister ausbilden – eine Ausbildung mit Hindernissen, die zu seiner ersten Geschäftsgründung führt. Innert kurzer Zeit hatte seine Firma über 50 Mitarbeiter – wow! Aber der darauffolgende Grössenwahn war keine gute Sache…
Einleitend habe ich schon erwähnt, dass Titus im Gefängnis war. Seine Schilderungen aus der Zeit im Gefängnis waren sehr bedrückend, insbesondere von der Zeit, als er in die M-Zelle kam: eine medizinische Zelle, bei der alle 20 Minuten eine Lebendkontrolle stattfindet! Das ist schlimm! Wenn man sich nur vorstellt, dass das 72 Mal am Tag ist, wird einem schier anders. Und dann brennt auch noch Tag und Nacht das Licht. Nun ja, es soll ja keine Wellnessoase sein, aber das ist wirklich enorm belastend. Im Gefängnis fängt Titus an, in der Bibel zu lesen und besucht sodann auch die Bibelstunde. Als er von seinem Zusammenbruch erzählt, hat mich das sehr bewegt. Dieser Zusammenbruch war ein Wendepunkt in seinem Leben.

Die Worte von Diakon Dany, die Titus mehrfach wiederholt, haben mir zu denken gegeben: „Ich verurteile die Tat, aber nicht den Menschen.“ Das muss man zuerst mal begreifen. Kann man das so einfach trennen? Einfach wohl nicht, aber man kann – und man sollte wahrscheinlich auch.

Sein Engagement, kirchliche Ausbildungen zu absolvieren, beeindruckt mich. Interessant, dass ihm einige nicht abnehmen wollen, dass er das aus freien und ehrlichen Stücken macht, und nicht, weil es andere vielleicht gut finden, wenn er „fromm“ ist. Die Vorstellung, dass er in seiner Kneipe seine Predigt hält und auch Seelsorgergespräche führt, ist ungewohnt, aber gut. Manche Menschen sind vom Gebäude „Kirche“ abgeschreckt und daher muss der Glaube dahin, wo die Menschen sind, eben auch mal in die Kneipe. Mir hat das Buch sehr gefallen; ich bedanke mich für Titus‘ Offenheit und wünsche ihm und seiner Familie alles Gute.

Quelle: https://www.scm-verlag.de/buch/biografien-erlebnisberichte/biografien/der-kneipenpastor.html

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